Home Alltagsgeschichten Homeschooling und ADHS – Der fast tägliche Wahnsinn

Homeschooling und ADHS – Der fast tägliche Wahnsinn

by Corinna
0 comment

Corona mein Hasswort des Jahres, dichtgefolgt von Homeschooling. Wieder einmal wurde der Lockdown verlängert. Immerhin lebe ich in Niedersachsen und mein Sohn geht ein paar Tage die Woche in die Schule. Aber trotzdem, am liebsten würde ich seine Schulsachen einfach verbrennen, wenn er mal wieder Theater macht oder sich nicht konzentrieren kann. Ich hasse Homeschooling einfach. Ich weiß, ich weiß, er kann da nichts für. Wegen seinem ADHS kann er sich einfach schlecht konzentrieren. Aber trotzdem ist mein Geduldsfaden momentan echt nicht lang. Auch am Abend ein Wein zur Entspannung würde nicht mehr helfen. Vielleicht die ganze Flasche. Aber ok, so weit bin ich dann doch noch nicht.

Der tägliche ADHS Homeschooling Wahnsinn.

In der Vorstellung denkt man sich liebe brave Kinder, die grinsend und zufrieden an ihren Aufgaben sitzen. Wie im Film. Aber die Realität sieht leider ganz anders aus. Egal mit oder ohne ADHS für alle Mütter sowie Väter ist es momentan echt nicht einfach.

Ich lege immer alle Sachen, die er braucht, auf den Tisch. Eigentlich sollte ich ihn Selbstständigkeit beibringen (ich weiß) aber so riskiere ich nicht, dass er wieder mal gefühlte 30 Minuten braucht, um seine Sachen aus seinen Schulranzen zu holen. Ich rufe ihn, dass er Hausaufgaben machen muss. Er brummelt etwas, aber er kommt. Dann sitzt mein Sohn an seinen Platz. Puh, erster Schritt ohne Theater geschafft. Zusammen gehen wir dann seine Aufgaben durch. Anschließend schaut er mich an: “ Mama, du darfst nicht zugucken, sonst kann ich mich nicht konzentrieren.“ „Okay okay, dann geh ich etwas Haushalt machen, aber wenn du Hilfe brauchst, ich bin da“. Kaum habe ich mich umgedreht „Klirr“, sein Bleistift ist runtergefallen. Also hebt er ihn wieder auf und setzt sich an den Tisch.

Die Konzentrationsfähigkeit ist mit ADHS nicht immer einfach

„Mama ich habe Durst“. Also gehe ich und hole ihn eben was zutrinken, damit er sitzen bleibt. Er trinkt und ich denke, er arbeitet weiter, also gehe ich in die Küche, um die Spülmaschine auszuräumen. Als ich damit fertig war, gehe ich zu ihm, schaue auf sein Blatt und sehe? Genau Nichts. Er hat nicht angefangen. „M. warum hast du nicht angefangen?“ Mama, ich war so durstig.“ Okay, alles gut. Als ich mich wieder entferne, hörte ich nur ein lautes “ BUMM BUMM BUMM“. Ich spähe ins Wohnzimmer, da spielt mein Sohn mit den Katzen und stampft mal wieder so laut mit seinen Füßen. (Jedes mal ermahne ich ihn, egal ob ADHS oder nicht .. mein innerlicher Monk explodiert wenn er so rumstampft. Aber gut das wir eine Wohnung im Erdgeschoss habe. Aber ich glaube wenn du ein Kind hast, weißt du wovon ich rede.) Also rolle schon die Augen. „M. ich glaube, ich bleibe besser bei dir sitzen.“ Er schaut mich an, stützt seinen Kopf auf den Arm ab. Nach dem Motto: Ochnö jetzt muss ich wirklich Hausaufgaben machen. Er ist ja auch nicht dumm, wenn die Mama nicht neben ihm sitzt, hat er seine Ruhe.

„Mama du kannst einfach nicht erklären“

Also fangen wir mit den Hausaufgaben an, bis er etwas in Deutsch nicht versteht. Ich erkläre ihm das, er sagt „Mama, also unsere Lehrerin erklärt das viel besser, ich verstehe das nicht.“ Meine Augenlider fangen an zu zucken. Ganz ruhig also erkläre ich ihm das noch mal. Aber wohl anscheinend wieder nicht so, dass er es verstanden hat. Ich bin eben keine Lehrerin, sondern Mama. Selbst meine pädagogische Ausbildung bringt mich da nicht weiter. Dieser Moment, wenn du denkst, ok, dein Kind hat keine Lust auf Hausaufgaben,… aber ganz ehrlich: du genauso wenig!

Beim 4 Mal erklären, hat er das doch verstanden und fing an. Doch plötzlich merkte er, das die in der Schule das vorher immer ganz anders gemacht haben. Ich habe ihn ansehen können, wie innerlich seine Zündschnur angezündet wurde und Buuum. Er motze mich an: Mama, das versteh ich nicht, Mama, das haben wir immer anders gemacht, wieso ist das so usw. und fing dann schlussendlich auch noch an zu weinen und stand wutentbrannt auf.

Tief Atmen. (Ich sollte mir echt mal überlegen, Entspannungsübungen zu trainieren für den Fall der Fälle.) Mein innerlicher Faden fing langsam auch an zu kokeln. Da fiel wieder der Stift runter. Er hebt ihn aber diesmal nicht auf, sondern wirft ihn durch den Raum. „Corona ist doof, ich habe keine Lust mehr, zu Hause das machen zu müssen!!!!!!!“ Ja, mein Kind, ich versteh dich. Ich habe auch kein Lust mehr auf Corona. Am liebsten würde ich mich auch gerade zappelnd auf den Boden werfen, weinend. Aber das bringen die Hausaufgaben auch nicht auf das Blatt Papier und Corona löst sich deswegen auch nicht in Luft auf.

Wir müssen das Beste draus machen

Aber was mach ich jetzt? Auf ein wütendes, weinendes Kind solange einreden, bis es die Aufgabe versteht? Oder es erst mal Sacken lassen? Ich habe mich für die einfachste Variante entschieden. Ich sehe schon die Super Nanny mit erhobenen Zeigefinger vor mir stehen und auch die ADHS Ratgeber in meiner Wohnung schreien mich förmlich an. Aber schlussendlich haben wir die Aufgabe übersprungen und am nächsten Tag gemacht. Die anderen Aufgaben waren auch ein Kampf und ich glaube, mein Geduldsfaden hat mittlerweile die Größe eines Sandkornes. Aber er hat gearbeitet. Immerhin.

Ich war zwar nicht konsequent, aber besser für meine Leber 😉 . Sonst hätte ich womöglich am Abend mich doch noch für die Flasche Wein entschieden, anstatt nur für ein Glas.

You may also like

Leave a Comment